© 2015 by Mike Shane, bodypainting.at

 

ACTION PAINTING

Photo: Alex Fischer

Action Painting oder Body Art Performance ist eine Variante die sich des Zufalls als Gestaltungselement bedient. Immer wieder werden neue Ebenen aus flüssiger Farbe auf bereits mit Bodypaintingfarbe vorgrundierten Modellen geschüttet oder gegossen um so einen maximal dynamischen Effekt zu erzielen.

Die Kunst des Action Paintings besteht darin die Aufprallfläche, die zu begießende Fläche oder auch die rinnende Farbe so vorausschauend einzusetzen bzw.so zu definieren, dass sie in einem ausgeglichenen Spannungsfeld sowohl zum Körper als auch zur bisherigen Farbe steht.

 

Klingt zugegebenermaßen etwas abgehoben und theroretisch...:) Letztlich ist die Action Painterei auch keine Technik die großer Worte bedarf.

Fakt ist, dass es sehr spannend ist live zu erleben wie solche Acts entstehen.

Mike Shane 

Enstehungsgeschichte

2001 habe ich mit der Action Painterei begonnen. Damals hatte ich mich schon 2 Jahre mit dem Thema Bodypainting auseinandergesetzt und war auf der Suche noch neuen Möglichkeiten.Ich war immer schon mehr als fasziniert von der Brillanz "frischer, flüssiger" Farbe. Ob das nun eine frische Dose Farbe war die ich geöffnet habe oder im Zuge der Palettenvorbereitung für die "herkömmliche" Malerei.

 

Damals, 2001, war eine Freundin von mir Mieterin eines aufgelassenen TV-Studios mit einer enormen "Blue-Box". Auf diese angesprochen bot sie mir an diesen Raum für meinen ersten Action Painting Versuch benutzen zu dürfen. Diese riesigen, abgerundeten blauen Wände hatten es mir angetan und in meinem Kopf häuften sich die Bilder von ebenso blau grundierten Modellen die von gleichfarbigen Wänden "verschluckt" würden. Allerdings missfiel mir der Gedanke die Modelle mit "herkömmlicher" Bodypainterei sichtbar zu machen. Umso höher schlug mein Herz bei der Vorstellung die Modelle mit weißer flüssiger Farbe zu beschütten um sie somit im Moment des Aufpralls sichtbar zu machen.

 

Mein damaliger Fotograf, Thomas Karner, war eingangs etwas skeptisch. Vor allem die spärlichen Lichtverhältnisse im Raum machten ihm Sorgen. Nicht zuletzt weil er auch genügend Licht brauchte um die "fliegende" Farbe einfangen zu können. Wir einigten uns darauf es zumindest zu probieren.

 

Während der gesamten Aktion hatte ich immer wieder das sehr angenehme Gefühl, dass hier gerade etwas sehr Magisches, Spannendes und Neues entstehen würde. Das gesamte Set war in pure Energie getaucht. Wir hatten genügend Zeit und auch die Modelle waren nach anfänglicher Skepsis und Zurückhaltung mittlerweile ganz verrückt danach die nächste Ladung Farbe ab zu bekommen.

 

Das Endergebnis war atemberaubend! Nicht nur konnte Tom die fliegende Farbe fotografisch einfangen, ich selber hatte "meinen Weg" gefunden. Diese unglaublich grafische Kraft und Brillanz dieser zähflüssigen Farbe, die sich Schicht für Schicht auf den grundierten Modellen verteilte und nach unten rann und die in gleichem Ausmaß fesselnde, "fliegende" Farbe in der Luft hatten meine Sicht auf Bodypainting gänzlich verändert.

Es war wie eine Geburt. :)

Vom Atelier zur Bühnenperfomance

Mit den Fotos des Erstversuchs in den W1 Studios, der "Legendary Fockygasse Session" organisierten Tom und ich dann eine Ausstellung im Wiener Szenelokal "Motto". Als "follow up" entschieden wir uns gemeinsam mit der damaligen Society-Göre "Magenta" aus Taxi Orange eine groß angelegte Performance im Zuge ihrer ersten Bilderausstellung in den Seitenblicke Studios zu produzieren.

 

Magenta's damaliger Protegé "Purzel" Klingohr, dem die Studios gehörten, bot ihr freies Geleit für so ziemlich alles was wir vorhatten an, inklusive professioneller Rückendeckung im Bereich Bühnenbau und -technik.Magenta, die über ihre Taxi Orange Fernsehauftritte im Showbereich ein exzellentes Künstlernetzwerk hatte steuerte dann auch noch Daniel Pergamentschikow bei, der die Performance statt mit Musik aus der Konserve, mit grenzgenialer E-Geige begleitete. Es war ein wirklich tolles Gefühl vor knapp 600 geladenen Gästen ordentlich Farbe spritzen zu lassen und ich habe damals, so glaube ich zumindest heute, regelrecht "Bühnenblut" geleckt.

 

 

Kurze Zeit später kontaktierte mich CANON AUSTRIA und wollte wissen ob ich dieses Action Painting auch auf einer Bühne performen könnte? CANON brachte zu der Zeit neue Farbdrucker auf den Markt und sie benötigten eine ebenso farbintensive Attraktion für ihre geplanten Promotionauftritte für ihre Austrian Business Tour 2003.So tourten Tom und ich mit einer Menge Farbe im Kofferraum von einer Bundeshauptstadt in die nächste und stiegen jedes Mal aufs Neue auf die Bühne, ich als Action Painter und er als dazugehöriger Kameramann der das ganze Geschehen dann auch gleich im Detail auf der Bühne filmte und live auf die Bühnenrückwände projizierte

.Die Shows kamen super an und endeten in einem fulminanten Auftritt in Wien im Palmenhaus vor knappen 500 Zuschauern.

Mit diesen vielen Erfahrungen im Gepäck war es dann auch höchste Zeit diesen Farbwahnsinn auf die Bühne vom Bodypainting Festival zu holen.Wenn ich heute zurückblicke glaube ich, dass das der wohl entscheidendste Auftritt war. Nicht zuletzt wegen dem unglaublich positiven Feedback aus den eigenen Künstlerreihen.

 

Ein entscheidender Gig war dann etwas später wohl auch der auf dem ersten Swiss Bodypainting Day 2004. Da es ja nie ursprünglich nie so geplant war hatte ich eingangs Schwierigkeiten mir vor zu stellen, dass ich auf einmal mit dem Rücken zu einem Publikum "action painten" sollte. Die Performance in Luzern dauerte 20 Minuten und ich erinnere mich gut an den dominanten Gedanken in meinem Kopf "Was denken sich die Leute bloß dabei?":)

 

Meine Bedenken waren allerdings vollkommen unnötig. Da die meisten Zuschauer, wenn überhaupt bisher nur Action Painting Fotos gesehen hatten, stellte sich in späteren Gesprächen mit einigen Zuschauern heraus, dass diese während der Performance das Gefühl bekommen hatten, dass sie "ins Atelier" schauen durften bzw. live dabei waren wie diese "spacigen Tomphotos" entstanden. Das war insofern wichtig als ich mich nie wirklich als Bühnenperformer gesehen hatte, denn so konnte ich meine diesbezüglichen Bedenken ablegen. 

In den Folgejahren passierte im Bühnenbereich relativ wenig. Nicht zuletzt wegen dem Rattenschwanz an organisatorischen Feinheiten welche man für so einen Gig benötigte. Vielleicht war und ist es gerade deswegen so schwierig die Performances "gewinnbringend" an den Mann zu bringen.

Viell zu oft merkte ich bereits bei den Verkaufsgesprächen wie die Stimmung auf der anderen Seite der Leitung kippte sobald ich vom "Rundherum" zu erzählen begann.

Abdeckungen, Backstageräume, Versicherungen, bühnennahe Duschmöglichkeiten für die Modelle etc...

 

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